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Welcome to University

Mein Unterricht in der Uni hat begonnen und ich muss sagen ich habe es gar nicht gut vertragen. Ich bin nicht dafür gemacht Leistung zu erbringen, auch wenn ich es gut kann und der Gedanke daran in die selben Strukturen wie vor einem Jahr zurück zu kehren macht mir Angst. Aber die ersten drei Tage sind vorbei und mein erster Eindruck ist das es ganz und gar nicht die selben Strukturen sind. Ganz im Gegenteil ! Ich besuche natürlich das Orientierungssemester weswegen ich vielleicht mehr an die Hand genommen werde als der übliche Student aber ich glaube das mir genau das eine Perspektive darüber gibt wie es eigentlich sein sollte. Erstens: der Lernstil ist nicht der selbe. Wir sind es vom Gymnasium so gewohnt eine Struktur zu haben an die wir uns halten müssen und stumpf Aufgaben runter zu schreiben, hauptsache man hat sie erledigt und wird in Ruhe gelassen. Ich habe immer wieder versucht Spaß an der Schule zu haben indem ich die Aufgaben zu meinem Projekt gemacht habe aber am Ende des Tages lief es immer darauf hinaus das ich unter den Rahmen des “Muss” und Stress gearbeitet habe. In der Uni läuft es anders. Direkt zu beginn wurde uns erklärt das wir nicht mehr eine Gliederung aufbauen können und dann anhand dieser den Text runter schreiben. Wir müssen Themen verinnerlichen und mehrmals formulieren und umbauen, wegschmeißen und von vorne anfangen ehe wir ein gutes Ergebnis haben. Die Themen müssen meiner Meinung nach “richtig” gelernt werden. Nicht das typische Bulimielernen wie wir das aus der Schule kennen sondern persönliches tiefes Lenen. Eine Erfahrung verinnerlichen. Themen in uns Reifen lassen und Zeit nehmen nachzudenken bevor man spricht. Die erste Aufgabe die ich bekommen habe war es über Werte, Fähigkeiten und Interessen nach zu denken und meine erste Reaktion war es schnell etwas aufzuschreiben “damit ich es pünktlich fertig habe” und dann weiter zu machen. Ich habe aber mittendrin gestoppt als ich bemerkt habe das etwas gewaltig schief läuft. Das ist ein Thema das mich interessiert, meine eigenen Werte kennen zu lernen war eine Aufgabe der ich das letzte Jahr intensiv nachgegangen bin während ich mich selbst kennen gelernt habe und ich war entgeistert das ich ein Thema das mir eigentlich am Herzen liegt so runter gerattert habe GERADE weil ich meine eigenen Werte noch nicht zu 100 Prozent kenne, nicht sicher in ihnen bin UND nicht weiß welcher Wert meine Priorität ist. Was mir dann aufgefallen ist ist das ich nicht die einzige war die im “Schul Mindset” gefangen war. Im Gruppenchat fing das Gespräch an: Müssen wir das machen ? Wir das benotet ? Gibt es eine Frist ?  Alles war auf das “Werden wir erwischt wenn wir es nicht machen” ausgerichtet. Erstaunlicherweise wenn man bedenkt dass das ein Orientierungssemester ist, ein Studiengang in dem wir uns befinden um zu verstehen was uns wichtig ist, nach welchen Werten wir leben wollen und wie sich das in unserer Studiengangswahl widerspiegeln kann. Stattdessen stand die Frage im Raum ob es überhaupt nötig ist sich selbst zu reflektieren wenn es nicht für eine Note ist. Und angesichts dessen das selbst ich, die ein Jahr zuhause geblieben ist um sich selbst zu reflektieren, kurz inne gehalten hat um den Sinn der Aufgabe zu hinterfragen finde ich das gar nicht so erstaunlich. Die Universität funktioniert nicht nach dem Prinzip das etwas für eine Note gemacht wird oder um nicht beschimpft zu weden. Ich sage nicht das Studenten das nicht machen aber ich behaupte das es in der Uni besser funktionieren wird wenn der Studiengang wie eine persönliche Angelegenheit wahr genommen wird. Die Themen die behandelt werden müssen mehr als nur gelesen und verstanden werden. Sie müssen in einem reifen, neue Dimensionen kriegen, ergänzt und durch eine eigene Meinung abgeschlossen werden (auch wenn die gerade am Anfang des Studiums kaum gefragt wird weil bekannt ist das Erstsemester noch nicht die Zeit hatten ein Thema zu reflektieren um sich eine fundierte Meinung zu bilden). Wenn etwas zu einer persönlichen Angelegenheit wird wird es leichter ein gutes Ergebnis zu erzielen weil man sich “aus Spaß” damit beschäftigt und nicht weil man Muss. Ich kann nur aus der Perspektive des ersten Eindrucks sprechen und melde mich zurück wenn ich mehr weiß. Ich wünsche euch noch eine Schöne Woche und fordere jeden von euch auf sich eine halbe Stunde oder mehr zu nehmen um die eigenen Werte und Fähigkeiten zu reflektieren, es ist das wert, glaubt mir!

Mit Liebe,

Polina