Mutter Theresa wäre nichts besonderes wenn der Mensch perfekt wäre.

Ich habe mich hingesetzt und geschrieben. Das ich mich nicht hasse. Dafür kenne ich mich zu lange. Wie alte Freunde es nun mal tun. Sie sehen über das hässliche hinweg. Ich halte meine Gegenwart gut aus.

Aber ich schrieb das ich gerne anders wäre.

Ruhiger. Ausgeglichener. Liebevoller. Verständnisvoller. Offener. Netter. Optimistischer. Freundlicher.

Aber auch schlauer. Begabter.

Ich wünschte ich wäre weniger wütend. unruhig. egoistisch.

peinlich.

Aber: Ich hasse mich nicht. Ich leide unter meinen Gefühlen. Aber ich hasse mich nicht.

Und genau darauf kommt es an.

Das ich mir verzeihe. Das ich zugebe das ich so bin. Mich entschuldige. Niederlagen eingestehe und mich sogar manchmal zurück halte. Ich mache das Besser als vor einem Jahr.

Und im Kern bin ich doch gut. Nur gute Menschen machen sich Sorgen ob sie gut sind.

Oder ?

Das letzte Jahr erinnert mich an Fausts Entgrenzungsversuche. Selbstmord. Drogen. Hexerei.

Ich bin wahrscheinlich nicht die einzige die versucht etwas in sich zu töten. Ein Gefühl ? Ein Teil meines Charakters ? der Seele ? Mich ?

Ich will leben.

So richtig. Zwischen Menschen sein. Menschen die tanzen und singen. Das Leben voll leben. Pulsierendes Leben.

Um das Leben zu genießen muss man verstehen das sich das Leben meist mit dem Element Erde beschreibt.

Ich bin eher Luft. Losgelöst von allem. Mit dem Wunsch zu fliegen. Mit dem Kopf in den Wolken.

Zu idealistisch.

Leben ist schwer. Leben ist Fallen. Leben bedeutet Enttäuschung, Wut und Ekel.

Und Mensch sein ist nicht schön. Menschen sind hässlich. Menschen sind nervig. betrunken. egoistisch. Lügner. Schläger. Vergewaltiger. Mörder. Suizidal. Depressiv. Wütend. Peinlich.

Mutter Theresa wäre nichts besonderes wenn wir nicht so wären.

Ein guter Mensch bedeutet nicht unfehlbar zu sein. Es bedeutet jeden Tag das Beste zu geben und nicht aufzugeben. Jeden Tag etwas besser werden.

Und sich selbst zu verzeihen.

Ich sollte das alles aufschreiben.

Weil sich vielleicht mehr Menschen so fühlen. In ständiger Zerrissenheit zwischen Himmel und Erde. Auf ständiger Suche.

Oder es gibt nur mich.

In beiden Fällen sollten Menschen das hier lesen.

Die menschliche Seele ist auf ihre Art und Weise schön.

Und komplett hässlich.

Sich ihr Näher zu fühlen hilft. Zu wissen das sie sich zusammensetzt aus Teilen unserer Eltern, dem Kuscheltier das wir als Kind hatten, unserem ersten Lieblingsbuch, diesem einen Lied, dem einen Mal mit 11 als wir uns so grundlegend ungerecht behandelt fühlten, dem Geruch nach Zuhause, dem ersten Herzschmerz.

Wir sind nur Energie.

Und ich würde am Liebsten aus der Haut fahren.

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